Mantrailing – ein klasse Trend!

Gefahr im Verzug?

Mit erschrockenen Gesichtern schauen Passanten auf die Frau, die an viel zu langer Leine von einem offensichtlich viel zu starken Hund durch die gut besuchte Fußgängerzone gezerrt wird. Von den Lefzen des großen Rüden trieft der Geifer, während er sich ins Geschirr wirft und die Frau am anderen Leinenende kaum mit ihm Schritt halten kann.

Die Situation wirkt zunehmend unkontrollierbar, und Beobachter halten sich bestürzt die Hand vor den Mund, als das kräftige Tier gezielt auf einen scheinbar unbeteiligt wartenden Mann zustürmt und diesen dann mit einer Wucht anspringt, dass der so Bedrängte beinahe zu Boden geht. Was dann folgt, ist für die meisten Zuschauer überhaupt nicht mehr nachvollziehbar: Mann und Frau loben freudestrahlend und überschwänglich den vierbeinigen Aggressor und bieten ihm Futter und Wasser an.

Solche und ähnliche Szenen sind derzeit immer häufiger in Deutschlands Städten zu beobachten. Mantrailing ist beinahe schon zu einer Art Bewegung geworden: Wer diesem Mensch-Hund- Zusammenspiel einmal verfallen ist, bleibt dieser Faszination erlegen …

Unsere Spürnase

So oder ähnlich ging es auch uns am Anfang unseres Trailtrainings.
Vor lauter Euphorie rannte Linus durch Straßen, Tunnel, Waldwege, Feldwege, Fußgängerzonen um die verlorene Person zu erschnüffeln.
Schon mit 9 Monaten haben wir mit Linus das Trailen angefangen. Er ist eben ein Beagle und braucht auf jeden Fall angemessene Beschäftigung und Auslastung. Und das geht nur mit Nasenarbeit. Durch diesen Ausgleich war es uns möglich, ihn frei laufen zu lassen, vorher undenkbar. Durch seine Arbeit im Mantrailing war er ausgeglichen und hatte gar nicht mehr das Bedürfniss zu jagen. Wir müssen ihn nur 1-2 mal die Woche richtig auslasten.

Was ist Mantrailing überhaupt?

Der Begriff Mantrailing kommt aus dem Englischen und bedeutet die Verfolgung einer menschlichen Duftspur. Der Hund orientiert sich beim Mantrailing am Individualgeruch der zu suchenden Person. Und das auf jedem Untergrund: Wald, Wiese, Stein, Asphalt, oder sonst etwas.

Da wir Menschen ständig Hautschuppen verlieren – tausende in einer Minute – die überall verstreut werden, kann der Hund anhand dieser Hautschuppen der Spur des Menschen folgen. Weitere unverwechselbare Geruchskomponenten sind ausgefallene Haare und Körperausdünstungen wie verbrauchte Atemluft und Schweiß, die der Gesuchte wie eine für den Hund gut wahrnehmbare Schleppe hinter sich herzieht. Blut ist dabei noch intensiver vom Geruch, aber wir wollen mal nicht hoffen, dass sich beim Funtrail, um den es hier geht, jemand verletzt. Mit Hautschuppen und Haaren hinterlässt das Suchziel zusätzlich Bakterien, die den menschlichen Körper in individueller Zusammensetzung besiedeln. Sie sind ursächlich für die Zersetzung von Haut- und Haarzellen – ein biochemischer Prozess, anhand dessen erriechbarem Fortschritt der suchende Hund einen frischen Trail von einem Alten unterscheiden kann. Idealer- und logischerweise folgt der Hund nun der frischen Spur. Für uns ist es kaum vorstellbar, dass so etwas möglich ist, aber mit dem ausgezeichneten Geruchssinn unserer Hunde ist das kein Problem.

Eine geübte Hundenase kann einen Trail noch nach Tagen verfolgen!

Natürlich kann man den Hund mit diesen Fertigkeiten auch zum Rettungshund für Ernstfälle ausbilden, das ist aber sehr zeitaufwendig. Wir gehen hier nur von Mantrailing für die Freizeit aus, also Funtrail!

Wie geht das jetzt genau?

Für das Mantrailing Training benötigt man wenig. Ein gut passendes Geschirr, eine ca. 5 Meter lange Leine und feuchte Leckerchen, die der Hund wirklich gerne mag. Ausgestattet mit viel Spaß und Motivation wird man dann mit einem scheinbar wild an der Leine ziehenden Hund durch die Gegend laufen und sich freuen, wenn der Hund das tut, was er am besten kann: seine Nase zur Spurensuche nutzen. Ganz nach dem Motto „Ich rieche was, was Du nicht siehst“.

Also, los gehts:

Zuerst bekommt der Hund einen Geruchsgegenstand der zu suchenden Person. Das kann ein Kleidungsstück, ein Alltagsgegenstand wie Haarbürste oder ein Schlüssel sein. Man hält dem Hund den Geruchsträger der zu suchenden Person in einer Tüte hin ohne den Geruchsträger selbst zu berühren, sodass man ihn nicht mit dem eigenen Geruch kontaminiert. Anschließend gibt man ihm das Kommando loszulegen. Z.B. „Riech“ um den Geruch aufzunehmen und dann das Kommando „Trail“ oder „Such“ um den Trail zu starten.

 

Woher weiß der Hund jetzt was er tun soll?

Das muss man ihm beibringen. Bei den ersten Übungen bekommt der Hund den Geruchsträger vor die Nase gehalten, wobei er die zu suchende Person noch sehen kann und diese mit der Spur verknüpfen kann. Wenn er die Verbindung zwischen Geruchsträger und gesuchter Person hergestellt hat, kann man beginnen das Kommando einzuführen. Dieses Kommando sollte dann aber unbedingt ausschließlich fürs Trailen verwendet werden! Bitte überlegt euch die Kommandos im Voraus und benutzt dann genau eines für jeden Vorgang, damit eure Fellnase nicht unnötig verwirrt wird.

Jetzt gehts los!

Jetzt wird der Hund sich mächtig ins Zeug legen und der Spur folgen. Schwierig ist es für manche Hunde nur, andere Gerüche auszublenden während sie trailen und nur ihrer einen Spur zu folgen. Für unseren Linus manchmal eine Herausforderung, vor allem wenn läufige Hündinnen in der Gegend unterwegs waren. Hasen oder Rehe sind ihm aber während des Trails völlig egal.
Wir sind einmal durch den Wald getrailt, als plötzlich ein Reh unseren Weg kreuzte. Obwohl er ein Jagdhund mit sehr ausgeprägtem Jagdinstinkt ist, hat er nur kurz den Kopf gehoben und ist dann brav seiner Spur weiter gegangen. Nach dem Motto “ erst die Arbeit dann das Vergnügen“!

Doch nicht der Hund alleine macht seine Arbeit, auch der Hundeführer hat ausreichend zu tun. Er muss seinen Hund „lesen“ können. Also die Signale, welche der Hund während der Suche gibt, wie feinste Änderungen in der Körperhaltung, Rute, Bewegungen des Kopfes, bemerken, richtig deuten und entsprechend reagieren.

 

Was es beim Trailen zu beachten gibt.

Am Anfang fängt man natürlich mit sehr kurzen Strecken an um den Hund nicht zu überfordern. Nach langem Training sind jedoch auch mehrere Kilometer lange Trails möglich.
Bitte beachtet aber, dass Trailen sehr anstrengend für unsere Hunde ist, sodass sie nicht zu viele Trails hintereinander laufen sollten. Oft reicht ein langer Trail schon aus um eure vierbeinige Riechmaschine auszupowern.

Wichtig

Dem Hund muss nach dem Trail immer ausreichend Wasser zur Verfügung gestellt werden. Manchmal hören die Hunde nach getaner Arbeit kaum auf zu trinken. Wenn es im Sommer sehr heiß wird, sollte man daher auch aufs Trailen verzichten bzw. nur in den frühen Morgenstunden durchführen, da der Hund sonst einen Hitzschlag bekommen kann.
Siehe letzten Blog.

Wird es dem Hund nicht irgendwann langweilig?

Ganz klar nein, wenn man ihm entsprechend Abwechslung bietet. Wenn man von ihm erwartet jeden Tag den gleichen Trail zu laufen  wird das natürlich schnell öde, aber man hat sehr viele Variationsmöglichkeiten, ohne viel Aufwand: Unterschiedliche Gegenden, verschiedene Längen oder erhöhte Schwierigkeitsgrade z.B. durch Differenzierung von Personen.

Wie steigt der Schwierigkeitsgrad?

Eine Person versteckt sich und ein oder zwei weitere Personen werden auf dem Trail platziert. Diese reagieren aber nicht auf den Hund.
Dadurch muss der Hund die Gerüche differenzieren lernen und dem ursprünglichen Geruch folgen. Wenn er dann endlich bei der gesuchten Person angekommen ist, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, mit denen der Hund anzeigen kann, dass er die gesuchte Person gefunden hat.

Mantrailing-1Gefunden!

Das kann beispielsweise Bellen sein, was man aber oft nicht möchte. Unser Linus ist sowieso „nicht auf die Schnauze gefallen“ und daher ermuntern wir ihn nicht noch weiter zum bellen. Besser finden wir daher das Anzeigen durch Sitzen vor der Person, sodass man klar erkennen kann, dass er die gesuchte Person gefunden hat. Erst dann wird er überschwänglich gelobt und bekommt seine Leckerchen. Da der Hund sehr aufgeregt bis völlig aus dem Häuschen sein wird, sollte die Belohnung weich und gut zu schlucken sein, denn er wird ordentlich reinhauen. Bei trockenen Leckerli wird er sich schnell veschlucken.

Ausnahmsweise sollet ihr hier statt unserer genialen BioSchnauze Leckerchen besser auf Dinge wie Käse, Würstchen, Frikadellen oder ähnliches setzen. Achtet aber bitte auf den Salzgehalt/Zusatzstoffe bei Fleischprodukten.

 

Fazit

Mantrailing ist eine hervorragende Auslastung für jeden Hund. Aber auch eine gute Therapieform für ängstliche Hunde, da das Selbstbewusstsein gesteigert wird. Die wohl bekannteste Rasse am Trail ist sicher der Bloodhound. Trailen kann man aber mit jeder Rasse und jedem Mischling! Die Größe des Hundes ist für das Trailen nicht wichtig. Somit kann man Mantrailing mit jedem Hund machen, der Spaß an dieser Beschäftigung hat.

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